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06
Jul

Dortmund Welthauptstadt der Großen Ameisenbären
53. Großer Ameisenbär im Zoo Dortmund geboren

Bereits ein kleiner Star: Vor Kamerateams konnte sich Alexandro nicht mehr retten. Foto: Michael Printz
Bereits ein kleiner Star: Vor Kamerateams konnte sich Alexandro nicht mehr retten. Foto: Michael Printz

„Welthauptstadt der Ameisenbären“ – diesem Ruf wird Dortmund dieser Tage wieder ganz besonders gerecht. Nach rund 190-tägiger Tragzeit kam am 3. Juli im Zoo der 53. Große Ameisenbär zur Welt. Seine Eltern sind Chakira, die 2003 aus dem Reid Park in Tucson zur Blutauffrischung nach Dortmund kam und Alberto, der 1997 aus Venezuela nach Dortmund kam. Für Chakira ist es das dritte Kind. Alberto ist Vater von 18 Jungtieren.
Nach den strengen Regeln des Zuchtbuches hat er bereits einen Namen erhalten, der dieses Mal mit dem Buchstaben „A“ beginnen musste: „Alexandro“.

Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter erzählt mit glänzenden Augen: „Alexandro wog bei der Geburt rund ein Kilogramm. Er kletterte sofort auf den Rücken der Mutter, wo er außer zum Säugen die nächsten sechs Monate verweilt, bis er etwa halb so groß wie Chakira ist. Mit einem Jahr ist ein Großer Ameisenbär eigenständig, die Geschlechtsreife erreicht er mit zwei bis drei Jahren.“
Nun sucht der Zoo Dortmund natürlich einen Paten für seinen jüngsten Großen Ameisenbären. Die Patenschaft kostet für ein Jahr 100 Euro. Infos beim Zoo unter (0231) 50 28628 oder unter http://www.dortmund.de/zoo.

Der Große Ameisenbär, eines der ungewöhnlichsten und merkwürdigsten Säugetiere der Welt, ist auch das Wappentier des Dortmunder Zoos. Seit 1975 wird diese Art hier gehalten und mit Erfolg gezüchtet. Sie war damit die Keimzelle des Südamerika-Schwerpunktes, der den Zoo bis auf den heutigen Tag auszeichnet. Der Zoo Dortmund ist der absolute Weltrekordhalter in der Zucht der Großen Ameisenbären, hier wurde auch die Erfolgsrezeptur entwickelt, mit der diese Tiere optimal in Zoologischen Gärten gehalten werden können. Weltweit anerkannt sind die Leistungen des tierpflegerischen Personals, der zoologischen und der veterinärmedizinischen Fachabteilungen des Zoos. Die zu vor als schwierig geltende Art wurde hier tiefgreifend erforscht und die Haltungsbedingungen sowie Fütterung der Art optimal ausgearbeitet, so dass der Zoo Dortmund bereits in den siebziger Jahren weltweit für Aufsehen sorgte, als ihm die ersten „serienmäßigen“ Nachzuchten des Großen Ameisenbären gelangen.
Das wissenschaftliche Wissen ist in der ganzen Welt gefragt: Im April 2006 besuchte die Zootierpflegerin Christina Wyborski den Zoo Singapur. Finanziert wurde der Austausch im Rahmen eines Stipendiums, das sie erhalten hatte, weil sie zu den besten des Ausbildungsjahrganges 2005 gehörte. In Sachen Großer Ameisenbär waren dort auch Brandstätter (im Februar) und die stellvertretende Zoodirektorin Ilona Schappert (im April) tätig, um die Kollegen zu schulen und z.B. zu zeigen, wie man das Geschlecht der Ameisenbären bestimmt. Schon im August 2005 weilte ein Tierpfleger aus Singapur im Zoo Dortmund, um den Umgang mit den Großen Ameisenbären zu lernen.
Außerdem führt der Zoo Dortmund seit 1980 das Internationale Zuchtbuch für den Großen Ameisenbären und koordiniert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm. Federführend hierbei ist seit vielen Jahren Ilona Schappert: „Alle Großen Ameisenbären, die in irgendeinem Zoo auf der Welt gehalten werden, werden im in einem zentralen Register erfasst. Ich entscheide von hier auch, in welchem Zoo welcher Ameisenbär sein Zuhause findet, um die Zucht der Tiere weltweit erfolgreich zu gestalten. Es ist schon ein tolles Gefühl, hier mit Stolz die 53. Geburt vermerken zu können“.

Gegenwärtig werden neun Große Ameisenbären im Zoo gehalten. Dortmunder Ameisenbären gibt es jedoch auch in vielen anderen Zoos auf der Welt, wo sie sich auch erfolgreich fortgepflanzt haben. Ameisenbären sind als Botschafter Dortmunds in die Zoos von Pretoria (Südafrika), Singapur und Tucson (USA) ebenso verreist, wie nach Amsterdam (Niederlande), Kopenhagen (Dänemark) oder in die Zoos von Wien (Österreich), London (Großbritannien) und zu den Kollegen in Magdeburg, Duisburg, Stuttgart und München.
Große Ameisenbären gehören zur Ordnung der Nebengelenktiere, eine Gruppe von Säugetieren, die sich durch so ungewöhnliche und doch einander so verschiedene Formen wie Faultiere, Gürteltiere und eben Ameisenbären auszeichnen. Unter diesen ist der Ameisenbär mit seinem tütenförmig verlängerten Kopf und den kleinen Augen sicherlich eine der ungewöhnlichsten Erscheinungen. In Dortmund lebt er im Tamandua-Haus, das einzige Tierhaus in einem Zoo der Welt, das ausschließlich diesen Tieren gewidmet ist.
Große Ameisenbären sind in Mittel- und Südamerika beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Belize und Guatemala bis ins nördliche Argentinien. Er erreicht eine Kopfrumpflänge von etwas mehr als einem Meter, der buschige Schwanz wird nochmals 65 bis 90 Zentimeter lang. Ihr Gewicht kann bis 60 Kilogramm betragen. Kennzeichen ist der lange, dünne Kopf mit einer kleinen Mundöffnung. Mit der 60 Zentimeter langen Zunge werden am Tag schätzungsweise 35 0000 Ameisen „erbeutet“. Augen und Ohren sind relativ klein. Die Grundfärbung ihres Fells ist graubraun, an Brust und Schultern haben sie eine schwarz-weiß Zeichnung. Die Vorderbeine sind weiß mit einem schwarzen Knöchelband, die Hinterbeine und der buschige Schwanz sind dunkler als der Körper. Die Vorderfüße haben vier Zehen, von denen die zwei mittleren stark mit kräftigen Krallen versehen sind, die Hinterbeine haben fünf Zehen mit kurzen Krallen.

Infos zum Dortmunder Zoo unter http://www.dortmund.de/zoo

Fotomaterial vorhanden

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