Michael Printz :: Pressefotografie

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02
Feb

Bevor Sie in ihrem Browser diese Seiten aufrufen…

… rufen Sie mich doch einfach mal an (aber bitte nicht wundern wenn ich keine Zeit habe). Oder ich faxe Ihnen, so will es das neue Telemediengesetz, die Datenschutzerklärung zu. Dieses Gesetz verlangt nämlich, dass ich Ihnen die Möglichkeit gebe zu erfahren welche Daten wann, wo, wie lange, und wozu gespeichtert werden bevor Sie mein Internetangebot nutzen - also bevor Sie mit Ihrem Browser eine Anfrage an den Server senden auf denen diese Seiten gespeichert sind. Da es technisch nicht möglich ist, diese Erklärung als HTML-Seite in Ihrem Browser zu lesen, da sie ja Bestandteil des Angebotes ist und ebenfalls von dem Internetserver abgerufen werden muss, bevor Sie den Telemediendienst benutzen, beisst sich die Katze in den Schwanz.

Wie Sie allerdings von dieser Mitteilung erfahren, bevor Sie sich in das Internet einwählen hat der Gesetzgeber offen gelassen. Rein technisch gesehen, werden bei jeder Datenverbindung zwischen Computern Daten gespeichert - angefangen bei den Netzwerkadressen die sich ja mindestens im Arbeitsspeicher befinden. Viele moderne Webseiten arbeiten mit dynamischen Inhalten, lassen sich vom Benutzer anpassen. Hierzu werden kleine Datenschnipsel - sogenannte Cookies - auf dem Rechner des Benutzers gespeichert. Das Websystem kann diese beim nächsten Besuch wieder abrufen, um benutzerdefinierte Einstellungen, etwa Farben und Schriftgrösse, wieder zu laden. Jeder normale Webserver speichert die IP-Adressen der “Gegenstellen” in einer Logdatei. Das geschieht hauptsächlich um Statistiken erstellen zu können, wie oft eine Website besucht wird. Für den Anbieter selbst bleibt das vollkommen anonym - erst die Ermittlungsbehörden können von Ihrem Internetzugangsanbieter erfahren, welche IP-Netzwerkadresse Ihrem Computer zugeteilt wurde während Sie mit dem Internet verbunden waren und damit eine Identifizierung vornehmen. Das Thema Datenschutz wird zwar allgemein viel zu wenig beachtet (”ich habe doch nichts zu verbergen…”), aber bei dem neuen Telemediengesetzt wiehert einmal wieder der Amtsschimmel ausgerechnet bei denen in der Stube, welche den Überwachungs,-Datensammel-, Datenspeicher-, und Zugriffswahnsinn für eigene Zwecke (die Verhältnismässigkeit zwischen gefangenen Terroristen und überwachten, belästigten Bürgen ist dabei nicht mehr gegeben) und die Zwecke der Verwerter von geistigem Eigentum mit Hochdruck vorantreiben - denen welche die Gesetze machen nämlich.

Der geneigte Leser möge sich durch eigene Recherche eine eigene Meinung zu diesem Thema bilden, es ist viel zu komplex als es an dieser Stelle weiter zu vertiefen. Medienberichten zufolge wittert die immer grösser werdende Heerschaar von Abmahnanwälten ein neues Geschäftsfeld zum abkassieren, bei dem typischerweise immer über die hergefallen wird, deren Internetangebot eine “One-Man-Show” ist, ohne Möglichkeit jeden veröffentlichten Buchstaben vorab durch einen Hausjustitiar prüfen zu lassen, diejenigen welche vermutlich nicht einmal Geld für einen eigenen Rechtsbeistand haben wenn die Abmahnpost in’s Haus flattert.

Also, liebe Abmahnanwälte, wenn Sie mit Ihrem Computer eine Datenverbindung zu diesem Telemediendienst hergestellt haben bevor Sie Kenntnis vom Inhalt der Datenschutzerklärung erlangt haben, dann haben SIE und die Politiker etwas falsch gemacht und ich bekomme von Ihnen Geld falls ich von Ihnen Post in Form einer Abmahung oder Klageschrift bekomme. Für deren Bearbeitung erhebe ich nämlich Gebühren.

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